Ohne Citizen Scientists keine Citizen Science. Dementsprechend zentral ist die Rolle des Community Managements für den Erfolg von Projekten. Auch die 10 Schweizer Citizen-Science-Prinzipien betonen dies mehrfach, insbesondere in Bezug auf Partizipation (Prinzip 4), Kommunikation (Prinzip 5) und Anerkennung (Prinzip 10). Die Bedeutung von Community Management wird auch im Bericht «Citizen Science in der Schweiz: Bestandesaufnahme und Wege in die Zukunft» (2024) unterstrichen, wo es als Teil von zwei der fünf zentralen Massnahmen zur Stärkung von Citizen Science hervorgehoben wird. Vor diesem Hintergrund widmete sich unser Netzwerktreffen vom 17. März 2026 dem Thema Community Management. Zwei unterschiedliche Citizen-Science-Projekte gaben Einblick in ihre Erfahrungen und zeigten, wie vielfältig Community Management in der Praxis ist.
Das Projekt «ältertätig»
Als erste Referentin berichtete Elisabeth Michel-Alder vom Projekt «ältertätig». Das Projekt untersucht, welche Bedeutung persönlich und gesellschaftlich wertvolle Tätigkeiten für Menschen über 70 Jahre haben und unter welchen Voraussetzungen sie ausgeübt werden. Dabei handelt es sich zumeist um Erwerbstätigkeit oder andere verbindliche Aufgaben und Rollen. Die Forschung basiert auf ausführlichen narrativen Interviews.
Bei der Community des Projekts handelt es sich um eine Gruppe von 25 ehrenamtlich Forschenden (Citizen Scientists), was eine besonders persönliche Betreuung ermöglicht. Von Beginn an wurde grosser Wert auf eine klare Kommunikation der Erwartungen gelegt. Informationsveranstaltungen sowie ein zweitägiger Einführungsworkshop boten eine fundierte Einführung in Theorie und Praxis.
Zur Stärkung der Community setzte das Projekt auf:
- eine enge individuelle Begleitung der Teilnehmenden
- regelmässige Workshops mit fachlichen Inputs als Weiterbildung und Diskussionen rund um den Projektfortschritt
- gemeinsame Auswertungen und Reflexionsphasen
- kontinuierliche Kommunikation über Infomails und eine zentrale Anlaufstelle
- bewusst gestaltete informelle Momente wie Plauderrunden oder Apéros
Das Projekt zeigt deutlich, wie viel Aufmerksamkeit die Arbeit mit Freiwilligen erfordert. Klassische Anreize wie Belohnung oder Sanktionen greifen hier kaum, stattdessen ist Wertschätzung zentral. Diese funktioniert vor allem als Haltung der Projektleitung, die sich für jeden Einsatz bedankt und auch mal selbst etwas fertig macht. Dies auch, weil sich Motivation und Engagement der Citizen Scientists mit der Zeit verändern können. Besonders hervorzuheben ist die starke soziale Wirkung eines solchen Projekts, das sich mit dem konkreten Alltag der Teilnehmenden beschäftigt: Die gemeinsame Arbeit fördert nicht nur den Wissensaustausch, sondern auch neue Beziehungen und ein Gefühl von Zusammengehörigkeit.
Community Management in der Zentralbibliothek Zürich
Einen anderen Ansatz präsentierten Lara Janke und Stefan Wiederkehr von der Zentralbibliothek Zürich. Als Institution betreibt die Zentralbibliothek mehrere Citizen-Science-Projekte, insbesondere in den Bereichen Transkription, Georeferenzierung (Verortung von Karten) und kollaboratives Arbeiten. Im Vergleich zum Projekt «ältertätig» ist die Community hier um einiges grösser und die konkreten Aufgaben finden im digitalen Raum statt. Entsprechend setzt die Zentralbibliothek auf ein breites Spektrum an Kommunikations- und Beteiligungsformaten.
Die Community wird über ein einheitliches Erscheinungsbild angesprochen, welches für Wiedererkennung und Orientierung auf allen Kanälen sorgt (Website und Blogs, Social Media, Newsletter, Drucksachen, Videos). Ein besonderer Fokus liegt auf der Vermeidung von Frustration sowie auf der gezielten Anerkennung der geleisteten Beiträge.
Zentrale Elemente des Citizen Science Community Managements der ZB Zürich sind:
- kontinuierliche und verlässliche Kommunikation
- aktive und gezielte Ansprache von Teilnehmenden
- Kombination von digitalen und analogen Formaten
- niederschwellige Einstiegsmöglichkeiten (z.B. via Tutorials)
- persönliche Begegnungen bei Veranstaltungen vor Ort
Die Erfahrungen zeigen, dass es unterschiedliche Typen von Citizen Scientists gibt: Während einige durch spielerische Elemente wie Ranglisten motiviert werden, sprechen andere stärker auf gemeinschaftliche Ziele an, deren Erreichung durch Visualisierungen des Gesamtfortschritts eines Projekts dargestellt werden kann. Erfolgreiches Community Management bedeutet daher auch, unterschiedliche Motivationen zu erkennen und gezielt anzusprechen.
Das macht gutes Community Management aus
Die beiden Beispiele verdeutlichen, dass die konkrete Ausgestaltung von Community Management jeweils ans Projekt und dessen Zielgruppen und Rahmenbedingungen angepasst werden muss, unter anderem weil Citizen Science stets eine soziale Komponente hat. Es zeigen sich jedoch eine Reihe übergreifender Erfolgsfaktoren. Dabei geht es im Kern meist um Selbstwirksamkeit und Resonanz:
- Wertschätzung als zentrale Grundlage für langfristiges Engagement und Zufriedenheit der Citizen Scientists
- kontinuierliche und klare Kommunikation
- relativ unmittelbare Rückmeldungen
- klare und angepasste Hilfestellungen
- aktive Einbindung und Partizipation der Community
- Verständnis für unterschiedliche Motivationen und Bedürfnisse
- Platz für informelle Elemente und persönliche Begegnungen
Damit ist unser diesjähriger Themenschwerpunkt Community Management gestartet. Wir bleiben dran und werden im Verlaufe des Jahres weitere Erkenntnisse, Beispiele und Ressourcen liefern. Falls ihr Fragen, Anregungen oder Hinweise habt, könnt ihr euch gerne melden!
Veröffentlicht am 31. März 2026.